Sammlungsbiografien und Netzwerke

Die kolonialen ethnologischen Sammlungen im Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim. Rekonstruktion von Sammlungsbiografien und regionalen Netzwerken

Hauptschwerpunkt des Hildesheimer Teilprojektes ist eine Untersuchung einzelner sehr heterogener Sammlungen sowie deren Erwerbungsgeschichte, die einen zentralen Aspekt der jeweiligen Objektbiografien darstellt. Durch Recherchen im Hildesheimer Stadtarchiv sowie die Herbeiziehung weiterer Dokumente in anderen Archiven und sonstiger Quellen (Kolonialdokumente, Reiseberichte, Tagebücher etc.), die bislang in der Forschung wenig Beachtung gefunden haben, sollen mögliche Sammelstrategien in der Zeit vor 1918 herausgearbeitet werden. Die Aufmerksamkeit gilt dabei zugleich den Sammlern, über die in vielen Fällen noch wenig bekannt ist, und deren Rolle im Kontext des Erwerbs von Sammlungen in der Kolonialzeit.

Erwerbungen von Objekten aus den deutschen Kolonien, aber auch aus Gebieten anderer Kolonialmächte aus dem Königlichen Museum für Völkerkunde in Berlin waren 2017/2018 bereits Gegenstand eines von der Niedersächsischen Sparkassenstiftung und der Sparkasse Hildesheim Goslar Peine geförderten Vorgängerprojektes. Regionale Schwerpunkte des jetzigen Teilprojektes sind Sammlungen aus Ozeanien (Museum Godeffroy), Afrika (Namibia) und Indonesien/Niederländisch Indien (Sammlung Muhlert). Mit berücksichtigt werden jedoch vor dem Hintergrund der zu untersuchenden Sammlernetzwerke auch weitere bedeutende, teils von Hildesheimern angelegte Sammlungen (z. B. Sammlung Stelling aus Sulawesi), deren Erwerb den Beziehungen Hermann Roemers und Gottfried Ludwig Dyes‘ zu verdanken ist und über deren Hintergründe Dokumente im Hildesheimer Stadtarchiv Aufschlüsse versprechen.

Bereits in der Geburtsstunde des Museums 1844 zählte die Ethnologie explizit zu den Sparten des von den Gründern geplanten „Weltmuseums“, für die Objekte und Sammlungen erworben werden sollten. Entsprechend spiegelt die ethnologische Sammlung die Kolonisierung der außereuropäischen Welt. Allgemein lässt sich feststellen, dass im Hildesheimer Museum die Bestände aus Ozeanien und Afrika zwischen 1871 und 1918 bedeutend zunahmen. Es lässt sich bezüglich der Sammelstrategie jedoch nicht beobachten, dass ab 1884 gezielt Objekte aus den deutschen Kolonien erworben wurden.

Ziel des Teilprojektes ist also eine Darstellung der kolonialen Erwerbungszusammenhänge der einzelnen Sammlungsbestände. Untersucht werden hierbei die Herkunft der Objekte, die Sammler (Biografien), Art und Umstände des Erwerbs (Kontext vor Ort) sowie der jeweilige Kontext der Musealisierung.

Fächer (ili), Samoa, Sammlung Museum Godeffroy, Hamburg, Inv.-Nr. V 18. (C) RPM, Foto: Sh. Shalchi.

 

Kontakt:

Projektbearbeiterin: Dr. Sabine Lang

Teilprojektleiter: Dr. Andrea Nicklisch

Direktorin: Prof. Dr. Regine Schulz, Direktorin, Roemer- und Pelizaeus-Museum

 

Im Rahmen des Projektes entstand auch die kleine Sonderausstellung "Modische Schwergewichte aus Namibia. Traditionelle Kleidung und Schmuck der Herero-Frauen", die vom 11. Februar bis 2. August 2020 im Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim zu sehen ist.