ML_R.2721

InventarnummerML_R.2721
StandortMuseum Lüneburg
ObjektbezeichnungElfenbeingefäß
SammlungsortAfrika, Westafrika, Sierra Leone
MaterialElfenbein
Technik geschnitzt
verziert
MaßeB (größtes Fragment): 11,5 cm; L (größtes Fragment): 16 cm; T (größtes Fragment): 8 cm
Teile Keine Zuordnung
Datierung1490-1530
Verknüpfte Personen und InstitutionenJohann Daniel Taube
ObjektartGefäß
Typ Ethnographica
Kulturelle Zuschreibung Keine Zuschreibung
Erweiterte BeschreibungTeile eines mit Schnitzarbeiten in Form von Punkten, Tieren und Menschen verzierten Gefäßes aus Elfenbein.
Zugangsjahr zur Sammlung1791
Zugangsart zur Sammlung durch Kauf
Zugang vonJohann Daniel Taube
VorbesitzerJohann Daniel Taube

Provenienz

  • o.D. erworben von/vom Museum Lüneburg bei/beim Museum der Lüneburger Ritterakademie.
  • 1791 erworben von/vom Museum der Lüneburger Ritterakademie durch Kauf bei/beim Johann Daniel Taube.
  • 1791 erworben von/vom Johann Daniel Taube durch unbekannte Erwerbsart bei/beim Unbekannt.

Bemerkungen

Das Objekt stammt aus der Sammlung Daniel Taubes und kam 1791 in die Sammlungen der Lüneburger Ritterakademie. Taube verzeichnete es als „bengalisches Opfer-Becken von Elfenbein“ – eine Zuschreibung, die Gebhardi als „elfenbeinernes Rauchfaß aus Bengalen“ übernahm und das Gefäß im Catalogus folgerichtig in der Rubrik „Indien“ einsortierte. In die Kataloge des Altertumsvereins und des Museumsvereins schrieb sich diese Angabe fort. Eine Korrektur versuchte der Museumsleiter Gerhard Körner, der dazu 1965 schrieb: „Hier scheint eine irrige Herkunftsangabe vorzuliegen, da es sich bei dem Gegenstand wohl um eine Elfenbeinschnitzerei des 17. Jhdts. aus dem Königreich Benin in Afrika handelt.“

 

Inzwischen hat sich für Elfenbeinobjekte dieses Stils der Forschungsbegriff der „Afro-Portugiesischen Elfenbeinschnitzerei“ etabliert. Es handelt sich um Auftragsarbeiten, die unter dem Einfluss portugiesischer Händler im 15. und 16. Jahrhundert in Westafrika (Sierra Leone und Benin) entstanden sind. Beeindruckt von der Qualität der traditionellen Elfenbeinschnitzkunst der Sapi (in Sierra Leone) und der Edo (in Benin) brachten die Europäer Vorlagen und Entwürfe mit, die dann für kunstvolle Dekorationen verwendet wurden. Um 1500 kamen die so gefertigten Salzgefäße, Bestecke oder Olifanten als kostbare Geschenke an den europäischen Höfen in Mode. Manche gelangten in die Kunstkammern der Fürsten und später auch in die Kabinette bürgerlicher Sammler.

 

Die in Lüneburg erhaltenen Stücke setzten sich einstmals zu einem Salzgefäß zusammen. Das größte Fragment mit der Darstellung menschlicher Figuren, Hunden und Schlangen bildet den Untersatz eines Deckelpokals, dessen mittleres Element (die Schale zur Aufnahme des Salzes) fehlt. Anhand von Vergleichsbeispielen aus New York, London und Ohio lässt sich das Gefäß stilistisch und ikonographisch eindeutig den Sapi aus Sierra Leone zuschreiben und in die Zeit um 1500 datieren. In deren Mythologie hatten Schlangen und Hunde eine besondere Bedeutung.

Kürzel der Bearbeiterin/ des Bearbeiters HB
Forschungsjahr der letzten Bearbeitung2025
Status Provenienz in Bearbeitung
Weiterführende Literatur

Kathy Curnow: Oberlin's Sierra Leone Saltcellar: Documenting a Bicultural Dialogue. In: Allen Memorial Art Museum Bulletin XLIV, 2, 1991, S. 12-23. | Schmitz, Claudia, Ethnographica in Braunschweig, Dresden 2016, S. 291-293. | Ulfert Tschirner: Das Museum der Lüneburger Ritterakademie. Eine Geschichte des Sammelns um 1800. Regensburg 2020, S. 126-127 u. Kat. B.21. | Körner, Gerhard, Das Raritätenkabinett im Museum für das Fürstentum Lüneburg, Lüneburg 1965, S. 7. | Tschirner, Ulfert, Der Sammler Johann Daniel Taube und die Gründung des Museums der Lüneburger Ritterakademie. Praktiken des Sammelns um 1800, Verhandlungen zur Geschichte und Theorie der Biologie 24, 2022, S. 245-260.

Objekt URLhttps://www.postcolonial-provenance-research.com/datenbank/exposition/ml_r2721/
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