Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim

Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim 

 

Allgemeine Informationen über die Institution

Das 1844 gegründete Roemer- und Pelizaeus-Museum (RPM) in Hildesheim (vormals: Städtisches Museum, ab 1894 Roemer-Museum, seit 1911 Roemer- und Pelizaeus-Museum) ist ein Mehrspartenmuseum mit Beständen aus den Bereichen Naturkunde, Ägyptologie, Stadtgeschichte und Ethnologie. Die ethnologische Sammlung umfasst dabei ca. 14.000 Objekte aus sämtlichen Erdteilen. Bei Gründung des Museums belief sich diese Sammlung auf 28 Objekte, anschließend wurde sie nicht zuletzt auf Betreiben des Museums-Mitbegründers Hermann Roemer, der Wert auf eine Vermehrung der Bestände sämtlicher Sammlungsbereiche legte, kontinuierlich ausgebaut; insbesondere auch Hildesheimer in Übersee wurden aufgerufen, die ethnologischen Sammlungen zu mehren, und kamen diesem Wunsch auch nach. Eine bedeutende Rolle innerhalb Roemers Netzwerk bei der Vergrößerung diverser Sammlungen einschließlich der ethnologischen spielte Ludwig „Louis“ Gottfried Dyes (1831-1903), ein gebürtiger Hildesheimer und Cousin der Roemer-Brüder. Als Großkaufmann und österreichischer Generalkonsul in Bremen ließ er seine Beziehungen und Netzwerke spielen und machte dem Museum bedeutende Sammlungen zum Geschenk, so etwa aus Ozeanien (Sammlung Zembsch) und Namibia (Sammlung Hoepfner, siehe unten).

Ab den 1880er-Jahren ließen sich die Direktoren Roemer (bis 1894) und dessen Nachfolger Achilles Andreae (1894-1905) (die keine Ethnologen, sondern Geologen waren) bei Vermehrung und Ausstellung der ethnologischen Bestände von Johannes Dietrich Eduard Schmeltz (1839-1909) beraten, ehemaliger Kurator am Hamburger Museum Godeffroy und seit 1882 Kurator am Völkerkundemuseum Leiden. Von 1905 bis 1914 wurde die ethnologische Sammlung von dem Berliner Ethnologen und Interimsdirektor (1905/06) Edgar Walden (1876-1914) betreut und erweitert, vor allem aus den Dubletten des Königlichen Museums für Völkerkunde in Berlin, an dem er tätig war.

Allgemeine Information zur Sammlung aus kolonialen Kontexten im RPM

Die im Fokus des Hildesheimer PAESE-Teilprojektes stehenden Sammlungsteile gelangten überwiegend in der Zeit zwischen 1844 und 1900 an das RPM, also weitgehend zu Lebzeiten Hermann Roemers. Aus kolonialen Kontexten stammt ein nicht unwesentlicher Teil der ethnologischen Sammlung – zum einen aus den ehemaligen deutschen Kolonien in Afrika (Kamerun, Togo, Deutsch-Südwestafrika, Deutsch-Ostafrika), zum anderen aus Deutsch-Neuguinea in Ozeanien. Aber auch aus Kolonien anderer Kolonialmächte (Großbritannien, Niederlande) sind Objekte an das Hildesheimer Museum gelangt. Ein Beispiel hierfür im Rahmen des vorliegenden Teilprojektes ist eine Sammlung von Gegenständen aus Sulawesi des Hildesheimers Dr. Hermann Muhlert (1816-1870), der als Militärarzt lange Jahre in niederländischen Diensten stand und in „Niederländisch-Indien“ zunächst auf Java, dann ab 1855 in Sulawesi („Celebes“) stationiert war.

Eine Anzahl Objekte, deren Provenienz im Rahmen des Teilprojektes am RPM untersucht wird, wurde allerdings noch vor Beginn einer formalen Kolonialherrschaft gesammelt und vom Hildesheimer Museum erworben, so etwa die umfangreiche Namibia-Sammlung (v.a. Herero) von Carl Hoepfner, der die Objekte dort während Prospektionsreisen am Vorabend der Etablierung der Kolonie Deutsch-Südwestafrika sammelte. Zahlenmäßig exakt beziffern lassen sich die ethnologischen Bestände aus kolonialen Kontexten im RPM gegenwärtig (noch) nicht.

Informationen zu in PAESE zu erforschenden Teilbeständen

Gegenstand der Forschung im Rahmen des PAESE-Teilprojektes sind Bestände aus Namibia (verschiedene Sammler, darunter Carl Hoepfner [Prospektionsreisen nach Namibia 1882-1884] und der Missionar Wilhelm Eich [1850-1935]), Niederländisch-Indien/Indonesien (Sammlung Dr. Hermann Muhlert, vor 1860) sowie Ethnographica aus Mikronesien und Polynesien, die Ende der 1870er-/Anfang der 1880er-Jahre vom Hamburger Museum Godeffroy erworben wurden (ebenfalls verschiedene Sammler, darunter bezüglich der Objekte im RPM nachweislich Amalie Dietrich und Johann Stanislaus Kubary).

#Elefantenkopf-Pfeife Sammlung Braunschweig
Frauen-Kopfschmuck (ekori) mit Kopfband, Herero, Ende 19. Jahrhundert, Leder mit Eisenperlen, Inv.-Nr. V 1.400, 1.401, Sammler unbekannt

 

Kontakt

Projektbearbeiterin: Dr. Sabine Lang

Kuratorin: Dr. Andrea Nicklisch